Vermutlich hat jeder von uns schon mal im persönlichen Umfeld von jemandem gehört, dem es schwer fällt, Karriere, Familie, Freunde und Hobby unter einen Hut zu bekommen. Oder sind sogar Sie betroffen? Endlich ist die langersehnte Beförderung abgenickt, geht der Ärger auch schon (bald) los. Das heiß begehrte Blackberry wird nach wenigen Wochen verflucht, der Chef zeigt sein wahres Gesicht, die Mitarbeiter klagen über den Stress, Meetings häufen sich an und werden trotzdem nicht effektiver und das geliebte Hobby wurde schon seit Monaten nicht mehr ausgeübt – ganz zu schweigen von den unregelmäßigen Mahlzeiten, neidischen Kollegen, enttäuschten Freunden und den unglücklichen Kindern mitsamt überforderter Ehegattin.
Ist es schon normal, dass der erhoffte Karrieresprung gleich wieder bereut wird? Nein, da muss es nicht sein.
Jeder ist seines Glückes Schmied und man hat es natürlich selber in der Hand, wie locker man mit Familie, Job und Freizeit jongliert. Dazu gibt es gewisse Regeln, die - wenn man sie beachtet - hervorragend helfen, sich selbst, seine Mitarbeiter, seine Kollegen und seinen Chef zu führen.
Ideentower traf den sympathischen Managementtrainer und Autor Alexander Groth, um mit ihm über sein kürzlich erschienenes Buch „Führungsstark in alle Richtungen“ zu sprechen und nützliche Tipps für unsere Leser zu erfahren. Das Buch erklärt, warum sich Führungskräfte des mittleren Managements oft zwischen Unternehmensleitung, unterem Management und den Kollegen auf derselben Ebene eingeengt fühlen und wie man damit umgehen kann.
Ideentower: Lieber Herr Groth, danke dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Oben genanntes Beispiel ist bewusst etwas überzeichnet - dennoch hört man immer wieder von Führungskräften, denen der Spagat zwischen Familie und Beruf auf Dauer einfach nicht gelingen will. Woran liegt das?
Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Zum einen sind die Anforderungen im Job für mittlere Manager stetig gewachsen. Sie müssen mit immer weniger Leuten immer mehr Arbeit leisten. Selbst gut organisierte Führungskräfte kommen normalerweise auf einen 10- bis 12-Stunden-Tag. Außerdem verschwimmt die Grenze zwischen Berufs- und Privatleben immer mehr. Manche Leute nennen den Blackberry auch „Crackberry“, weil er für viele eine Droge ist. Sie starren in ihrer knappen Freizeit dauernd auf dieses Gerät und beantworten Anfragen auch nachts oder am Wochenende extrem zeitnah.
Ideentower: Was kann jeder Einzelne tun, damit er an dem Druck des Vorgesetzten, den Klagen der Mitarbeiter, der Piesackerei der Kollegen und dem schlechten Gewissen der Familie gegenüber nicht zerbricht?
Planen Sie in Ihren Kalender aktiv Zeit für sich selbst und die Menschen ein, die Ihnen wichtig sind, sonst bleiben Sie und Ihre Familie auf der Strecke. Nehmen Sie sich mindestens einmal im Jahr eine Auszeit und gehen Sie in die Vogelperspektive. Betrachtet man sein Leben von oben, stellen viele Manager fest, dass sie in einem Hamsterrad laufen. Ein Freund von mir geht beispielsweise einmal im Jahr ins Kloster. Man zahlt für alles im Leben einen Preis. Bilanzieren Sie regelmäßig, welchen Preis Sie für Ihre Karriere zahlen und ob Sie das so auch wollen.
Ideentower: Sie werden für Ihre lebhaften Beispiele von Ihren Seminarteilnehmern sehr geschätzt. Können Sie uns ein bildhaftes Beispiel dafür geben, wie man Karriere im Haifischbecken macht und sich selbst dabei treu bleibt?
Das ist in der Tat eine Herausforderung, der man sich täglich neu stellen muss. Um Ihr Beispiel zu nehmen: Die Kunst besteht wahrscheinlich darin, im Haifischbecken mit zu schwimmen, ohne selbst zum Karriere-Haifisch zu mutieren. Man kann sich an alles gewöhnen, auch daran, immer wieder gegen die eigenen Werte zu verstoßen, bis diese irgendwann nicht mehr vorhanden sind. Nehmen Sie Ihre Gefühle ernst und bügeln Sie diese nicht mit dem Verstand platt, wenn sie Ihnen signalisieren, dass Sie etwas nicht tun sollten. Da es uns leichter fällt, anderen Tipps zu geben, als selbst konsequent zu sein, können Sie auch folgende Vorgehensweise nutzen: Überlegen Sie in schwierigen Situationen, was Sie einem guten Freund oder Ihrem eigenen Kind in dieser Situation empfehlen würden und handeln Sie dann selbst dementsprechend.
Ideentower: In Ihrem Werk gehen Sie auch auf den Führungsstil des Benedikterpaters Anselm Grün ein. Was können die Führungskräfte von einem Geistlichen lernen?
Anselm Grün ist für mich ein großes Vorbild. Bei Ihm kann man beobachten, wie man Demut, Bescheidenheit und Menschlichkeit miteinander verbindet. Dieser Mann hat über 300 Bücher geschrieben, die insgesamt 14 millionenmal verkauft wurden. Er hält ca. 100 Vorträge im Jahr und führt noch dazu als Celerar seit über 20 Jahren äußerst erfolgreich die Betriebe des Klosters Münsterschwarzach mit ihren fast 300 Mitarbeitern. Bei all diesem Erfolg ist er aber vollkommen bescheiden, präsent und empathisch geblieben.
Ideentower: Wie haben Sie selbst Job, Schreiben und Familie gemanagt?
Das müssten Sie meine Frau und meinen Sohn fragen (lacht). In der Tat geht es mir wie vielen Menschen. Ich weiß, wie es geht, aber in der praktischen Umsetzung klappt das nicht immer. Mein Ziel für das nächste Jahr ist, die Anzahl meiner administrativen Arbeitstage zu reduzieren, um mehr Zeit für wesentliche Dinge zu haben.
Ideentower: Ich danke Ihnen für das angenehme Interview und wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg mit Ihrem Buch. Möchten Sie an dieser Stelle noch etwas loswerden?
Ich finde es bemerkenswert, was Sie und Ihre Kollegen auf dieser Website zusammengetragen haben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine solche Website viel Arbeit macht. Meinen Glückwunsch.
Ideentower: Herzlichen Dank, das freut uns :-)
Mehr Informationen über Alexander Groth und seine Seminare finden Sie auf seiner Website.
Das erste Kapitel seines Buches können Sie sich hier in Ruhe anschauen und bestellen können Sie es sich hier: Führungsstark in alle Richtungen: 360-Grad-Leadership für das mittlere Management.
Wir hoffen Ihnen hat das Interview gefallen - Kritik und Lob können Sie gerne im unten stehenden Kommentarfeld loswerden.
Ideentower
Selten so gedacht





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