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Dienstag, 26 Juni 2007

Innovationswissen: Systemische innovation - Die Zutaten

Fnfgewrze Avenue aus Berlin berichtet in seinem neuesten Innovationsletter von den Zutaten erfolgreicher, systemischer Innovation. Der Artikel zeigt auf, welche Zutaten (insbesondere für die Kultur) im Unternehmen gebraucht werden, um Innovationen auf die Straße zu bringen. Und: Sie wissen nachher auch, warum auf den Toiletten bei Starbucks blaues Licht verwendet wird.

Die systemische Innovation und das Geheimrezept aus fünf Zutaten
Innovation – das ist ein großes Wort, schillernd, viel versprechend und attraktiv für jedes Unternehmen, denn es bedeutet, dass man eine funktionierende Innovationskultur vorweisen kann und Bedürfnisse entdeckt, bei denen der Kunde noch gar nicht weiß, dass er sie hat. Bei vielen Unternehmen bleibt es jedoch oft bei der bloßen Zielsetzung, der Innovationsprozess selbst wird nicht etabliert und die Mitarbeiter erfahren nie, wie sie zu einem innovativen  Unternehmen hätten werden können. 

Die Bereitschaft, sich auf einen Innovationsprozess einzulassen und ihn mit all seinen Konsequenzen und Risiken lebendig werden zu lassen, wird nicht nur von der Geschäftsführung abverlangt, sondern von jedem einzelnen Mitarbeiter. Was benötigt also ein Unternehmen um inspiriert und motiviert innovieren zu können? Und was sind die Barrieren und Störfaktoren, die vorab beseitigt werden müssen?

Die systemische Innovation basiert auf fünf Komponenten, die im Innovationsprozess unverzichtbar sind. Die erste Komponente steht ...

für das richtige Klima für Innovation. Es ist die Stimmung, der gedankliche Raum, in dem die Menschen arbeiten. Diese Atmosphäre wird bestimmt durch die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern und durch das Verständnis von Rollen und Verantwortung. Ein Management, das unter großem Erfolgsdruck steht und Angst davor hat, Risiken einzugehen, blockiert sich selbst. Auch unser Drang, allem einem Namen geben zu wollen, weil das Unbekannte Unbehaglichkeit hervorruft, bringt uns im Innovationsprozess nicht weiter. Das Experimentieren und das Zulassen von Fehlern birgt hingegen großes Potential. Auf diese Weise schuf die Firma 3M ihre legendären Post-its und verwandelte das Versagen des Klebers in eine neue Produktlinie.

In der Denkweise jedes Einzelnen stecken die intellektuelle Basis von Kreativität, also die
persönlichen Charakterzüge, das Verhalten und die allumfassende Intelligenz – dies bildet die
zweite wichtige Komponente. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Störfaktoren, die sich einer
kreativen und offenen Denkweise entgegenstellen. Das gewohnte Wettbewerbsdenken und der
Konkurrenzgedanke untereinander blockieren die Innovationskraft eines Unternehmens. Ein
weiterer störender Faktor ist das Suchen von Gründen. Im Moment des Innovierens, wo etwas
Neues entsteht, suchen wir sofort nach Argumenten, anstatt der Innovation ihren Lauf zu lassen.
Dadurch limitieren wir uns in unserem Handeln und stören den Prozess. Der größte Störfaktor
jedoch ist die eigene Identität, das sich selbst reglementieren durch die Annahmen in unseren
Köpfen, die uns den Weitblick nehmen und Innovation verhindern. Vier Wege gibt es, um diese
Barrieren zu bekämpfen.

1) Der Perspektivwechsel:
Wir können bewusst die Perspektive wechseln und aus einem ganz   
anderen Blickwinkel auf ein Problem schauen, sagen wir als Hund, Fliege oder blinder Mensch
oder wir nehmen für einen Moment die Denkweise eines Kontrahenten ein. 

2) Risiko eingehen: Wir sollten nie das Risiko scheuen, sondern es bewusst einplanen. Ein
Beispiel: Hans Monderman, ein Verkehrsingenieur, sollte für mehr Sicherheit im Straßenverkehr
sorgen und wagte das Experiment, einen Kreisverkehr ohne ein einziges Straßenschild
einzusetzen. Diese radikale Lösung schuf ein eindeutiges Signal für alle: langsam fahren und auf
den Verkehr achten. Um sein Straßendesign selbst zu testen, lief er rückwärts in den
Kreisverkehr: Test bestanden. 

3) Verwirrungstoleranz: für unkonventionelle, aber brillante Ideen braucht es manchmal Zeit und
Gedanken abseits des Bekannten. Ein College in Dublin war stets Anlaufstelle für
Heroinabhängige, die sich in den Toiletten versorgten. Nah liegende Ideen wie Schlösser,
Zahlencodes oder Toilettenwächter waren schnell gefunden, versprachen sie jedoch einen 100%
Erfolg? Die Lösung: blaue Glühbirnen, die es mit ihrem blauen Licht unmöglich machten, die Ader
für den Schuss zu finden. Eine preiswerte und originelle Idee. Das Konzept wurde von vielen
öffentlichen Institutionen übernommen.

4) Leidenschaft: Sie birgt eine enorme Kraft, da wir all unsere Energie in die Lösung eines
Problems stecken und um dieses Ziel zu erreichen, auch Risiken und Unannehmlichkeiten in Kauf
nehmen. 

Die dritte Komponente bezieht sich auf das „Wie" von Innovation. Es sind die Strategien und Prozesse im innovativen Unternehmen, von der Idee bis zur Markteinführung. Natürlich kann man sich an Marktanalysen und Statistiken orientieren, um herauszufinden, was der Kunde braucht und wie er denkt. Aber das allein genügt nicht. Nur wer sich vom linearen Denken ein Stück weit entfernt und das laterale,
das „um die Ecke denken“ zulässt, kommt an die gewünschten Quellen.  Mit der vierten Komponente, der Einschätzung, sind die Indikatoren und Erfolgskriterien für Innovation gemeint. Mit Hilfe eines holistischen Bewertungssystems sollten sich Unternehmen auf ihr kreatives Innovationspotential hin einschätzen lassen, um durch kritisches Feedback Dinge verbessern bzw. ändern zu können. So können Stärken und Schwächen identifiziert und die Innovationskraft erhöht werden.

Die Schwungkraft ist letztlich der Motor für Innovation, es ist die aktive Inspiration, es sind Rituale, Umgebungen und Gespräche, die Kreativität und Innovation am Leben halten und fördern. In Unternehmen zählen oftmals nur die Zahlen, der ernsthafte Umgang mit Konzepten
und Ideen und das strikte Einhalten von Regeln. Innovation braucht genau das Gegenteil:
Vorstellungskraft, eine spielerische Herangehensweise, ein inspirierendes Umfeld und wenn nötig
das Brechen bestehender Regeln. 

Diese fünf Komponenten beeinflussen die systemische Innovation und zeigen uns, an welchen
Stellgrößen ein Unternehmen ansetzen muss, um aus dem bloßen Schlagwort ein lebendiges,
innovatives Unternehmenskonzept zu machen.

Ideentower
innovativ.anders.umgesetzt.

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