Die EURO 2008 ist Geschichte. Ihr Vermächtnis: begeisterndes Offensivspiel, die Beton-Kicker aus Italien im Fußball-Museum, ein unverschämt souveräner Champion, die erneuten „Sieger der Herzen“ aus Deutschland, der Bildausfall von Wien. Und natürlich das übliche Schaulaufen von Sponsoren, offiziellen Ausrüstern und sonstigen „Partnern“ der Nationalteams. Sportereignisse dieser Kategorie geraten regelmäßig zu einem who’s who der globalen Markenartikler. Diese tätigen enorme Investments, um ihre Brands so nahe wie möglich am Sportevent zu präsentieren.
Ob sich die Summen letztlich rechnen, ist jedoch erstens recht schwierig zu validieren. Und wird zweitens immer fraglicher. Der gemeine TV-Zuschauer droht zu ersaufen in der monströsen Flut wiederkehrender Werbe-Spots, Trailer und Sponsoren-Jingles. Recall und Recognition leiden, Wiedererkennung und Erinnerung von Marken werden immer problematischer. Und jüngere Zielgruppen scheinen dem guten alten Fernseher ohnehin endgültig den Rücken gekehrt zu haben. Ihre Welt ist das Web, (Marken-) Kommunikation spielt sich dort zusehends in Foren und Communities ab.
Längst sind Kommunikationsstrategen und Unternehmen deshalb in den werbetechnischen Guerilla-Kampf übergegangen. Markenpräsentationen werden immer subtiler. Word-of-mouth, branded entertainment oder user generated advertising werden als die Werbeformen von morgen gehandelt. Und sie sind es bereits heute, wenn es darum geht, junge Menschen überhaupt noch mit Markenbotschaften zu erreichen. Ein aktuelles und pfiffiges Beispiel für user generated advertising lieferte Coke bei der EURO 2008 ab.
Website der Coke Aktion, Motto: “Du schreibst die EM” | Der Brauseproduzent aus Atlanta lud im Internet Fußball-Fans dazu ein, an einem EM-Song mit zu texten. User konnten in 4-Zeilern Gegner der Nationalmannschaft augenzwinkernd aufs Korn nehmen und begründen, warum Löw’s Kicker am Ende den Pott holen. |
Das hörte sich dann in etwa so an, wie der Beitrag des Users „Effenberger“:
„Österreich wir kommen,
mit högschder Disziplin,
und als Europameister,
verlassen wir dann Wien.“
Der Clou an dem Projekt: Kurzprosa-Beiträge wie die von „Effenberger“ werden zum „längsten EM-Lied aller Zeiten“ (Coke) zusammen gemixt: ein Song, so lange wie ein Fußball-Spiel – nach Sepp Herberger also 90 Minuten.
Machen aus Fan-Reimen den längsten Song der EM: Band „Die Fraktion“ | Coke konnte hierfür die deutsche Band „Die Fraktion“ gewinnen. Die bezeichnet sich selbst als „fußballverrückt“ und hat zur EM bereits den Song „Schwarz Rot Gold“ gesungen. Die besten 4-Zeiler werden von der Band neu aufgenommen. |
Die Marketingaktion vermeidet manches, was jüngere Menschen im Kontext von Werbung langweilt. Andersrum bietet sie vieles, was diese schwierige Zielgruppe an Brands bindet: der richtige Kanal (Web), Spaß, Musik, Aktion (texten) und die für Communities obligatorische Chance, die besten Beiträge zu „voten“. Teenager und junge Erwachsene werden so von der Marke in ihrer Lebenswelt abgeholt. Die Chance auf ein höheres Maß an Involvement dürfte ungleich höher sein, als bei einem 30-Sekünder, der im Werbeblock von einem Spot für Damenbinden gefolgt wird. Und die Marke? Die bleibt im Idealfall im Hintergrund, kommt nicht aufdringlich rüber. Sondern als Partner, der eine coole Aktion ermöglicht im Umfeld eines die Menschen verbindenden Großereignis.
See more:
www.deine-em.de
www.diefraktion.de
Dieser Artikel stammt von unserem Gastautor Frank Luschnat, der uns künftig öfter mit seinen Artikeln unterstützen und unterhalten wird - an dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich dafür bedanken.
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